Verträge im eSport – Arbeitsrechtliche Einordnung und Anpassungsmechanismen

Verträge im eSport – Arbeitsrechtliche Einordnung und Anpassungsmechanismen

Header des Newsbeitrages zum Sportrecht. Zu sehen ist eine Rennbahn auf orangenem Grund. Im Vordergrund befindet sich der Autor Leon Huchel.

von Kai Leon Huchel

Der professionelle eSport hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Professionelle Spieler stehen regelmäßig in langfristigen Vertragsbeziehungen zu eSport-Organisationen, trainieren unter professionellen Bedingungen und erzielen teilweise erhebliche Einkünfte. Trotz dieser Entwicklung fehlt es bislang weitgehend an einer systematischen rechtlichen Aufarbeitung der Vertragsverhältnisse. Der Verfasser untersucht deshalb die arbeits- und vertragsrechtlichen Rahmenbedingungen professioneller eSport-Verträge und entwickelt Lösungsansätze für typische Konfliktlagen.

Arbeitnehmer oder selbstständiger Dienstleister?

Im Mittelpunkt steht zunächst die Frage nach der rechtlichen Einordnung des eSport-Vertrages. Während professionelle eSportler in vielen Bereichen mit Lizenzsportlern vergleichbar sind, unterscheidet sich ihre Tätigkeit durch die Besonderheiten einer digitalen Arbeitswelt. Klassische Kriterien wie örtliche oder zeitliche Weisungsgebundenheit müssen daher unter Berücksichtigung moderner Arbeitsformen neu bewertet werden. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere bei professionellen Teamstrukturen zahlreiche Gesichtspunkte für die Annahme eines Arbeitsverhältnisses sprechen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Einordnung stets eine Gesamtbetrachtung der tatsächlichen Vertragsgestaltung erfordert und je nach Organisationsform oder Professionalitätsgrad unterschiedlich ausfallen kann.

Vertragsgestaltung in einem dynamischen Markt

Aufbauend auf der Einordnung stellen sich typische Gestaltungs- und Anpassungsfragen professioneller eSport-Verträge. Behandelt werden unter anderem zulässige Vertragslaufzeiten, Trainingsvorgaben, Vergütungsmodelle sowie die Auswirkungen erheblicher Wertveränderungen eines Spielers während laufender Verträge. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den aus der Praxis bekannten Phänomenen des „Benchings“ und des sogenannten „Contract Jail“. Die Untersuchung beleuchtet, in welchem Umfang Spieler einen Anspruch auf tatsächliche Beschäftigung besitzen und welche Grenzen der Vertragsgestaltung durch das Arbeitsrecht sowie das Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen gesetzt werden.

Besonderheiten bei minderjährigen eSportlern

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Einsatz minderjähriger Spieler. Gerade im eSport erreichen Talente häufig bereits in jungen Jahren ein professionelles Leistungsniveau. Die Arbeit untersucht daher die Anforderungen an den Vertragsschluss mit Minderjährigen, die Bedeutung jugendarbeitsschutzrechtlicher Vorgaben sowie die besonderen Risiken langfristiger Vertragsbindungen in diesem Bereich.

Insgesamt zeigt sich, dass die bestehenden arbeits- und zivilrechtlichen Instrumente grundsätzlich geeignet sind, auch die Besonderheiten des professionellen eSports zu erfassen. Gleichzeitig besteht in einzelnen Bereichen Bedarf nach einer an die Eigenheiten des eSports angepassten Vertragsgestaltung, um den Interessen von Spielern und Organisationen gleichermaßen Rechnung zu tragen.

Kai Leon Huchel promovierte an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zu arbeits- und vertragsrechtlichen Fragestellungen des professionellen eSports. Sein Werk Verträge im eSport erscheint in Kürze in der Reihe „Schriften der Forschungsstelle für eSport-Recht“ im Nomos Verlag.