„Öffentliche Wirtschaft“: Im Interview mit den Herausgebern

Gelber Hintergrund. Links steht das Buch "Öffentliche Wirtschaft". Rechts sind die vier Portraits der Herausgeber zu sehen.

Ein Blick hinter die Kulissen des Handbuchs

Gut vorgesorgt?

Die öffentliche Wirtschaft erbringt zentrale Leistungen der Daseinsvorsorge und prägt damit das tägliche Leben in vielfacher Hinsicht. Ob Wasser- und Energieversorgung, Verkehr, Wohnungswirtschaft oder Abfallentsorgung: Öffentliche Unternehmen übernehmen in zahlreichen Bereichen eine sehr wichtige Rolle. Das Werk Öffentliche Wirtschaft beleuchtet das Themenfeld aus interdisziplinärer Perspektive und versammelt vertiefende Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Unser Verlag hat mit den Herausgebern Prof. Dr. Holger Mühlenkamp, Prof. Dr. Ulf Papenfuß, Prof. Dr. Ludwig Theuvsen und Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt gesprochen. Im folgenden Interview geben sie unter anderem Einblicke in ihre anfängliche Motivation, den Aufbau, die Interdisziplinarität und die Aktualisierungen und Erweiterungen der neuen Auflage.

 

Im Klappentext steht, dass eine „wesentliche Lücke in der Literaturlandschaft“ mit dem Handbuch „Öffentliche Wirtschaft“ geschlossen wird. Wie entdeckten Sie die „Lücke“ und was motivierte Sie, das Handbuch herauszugeben?

„Letztlich ist die Idee des Handbuchs ein Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit der Herausgeber und der Autoren und Autorinnen der ersten Auflage im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbandes öffentliche Dienstleitungen (BVöD), der aus der Gesellschaft für öffentliche Wirtschaft (GÖW) hervorging. Im Beirat verfügten wir über umfangreiche Expertise über die öffentliche Wirtschaft bzw. öffentliche Unternehmen.

Wir stellten fest, dass es zwar einige Handbücher insbesondere zu kommunalen Unternehmen gab und auch noch gibt, diese jedoch ausschließlich oder doch zumindest stark rechtlich orientiert sind. Im wissenschaftlichen Beirat hatten wir eine interdisziplinäre Zusammensetzung, so dass es geradezu auf der Hand lag, ein interdisziplinäres Handbuch, welches nicht nur auf die kommunale und rechtliche Ebene zielte, herauszugeben und durch Rückgriff auf die umfangreiche Expertise innerhalb des Beirats eine Lücke in der Fachliteratur zu schließen.“

 

Das Handbuch vereint unterschiedliche disziplinäre Perspektiven und zahlreiche Praxisfelder der öffentlichen Wirtschaft. Wie sind Sie bei der Strukturierung des Werks vorgegangen?

„Die Struktur ist klar aus der Gliederung des Handbuchs erkennbar. Wir wollten zunächst den Untersuchungsgegenstand der öffentlichen Wirtschaft vermessen und seine Geschichte darlegen. Im zweiten Teil werden die Grundlagen der öffentlichen Wirtschaft aus der Sicht verschiedener Disziplinen (Recht, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) dargelegt. Im dritten Teil werden einzelne Sektoren behandelt, in denen die öffentliche Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielt.“

 

Mit der nun vorliegenden 2. Auflage wurde das Handbuch vollständig aktualisiert und erweitert. Welche neuen Entwicklungen oder Themen waren Ihnen dabei besonders wichtig?

„Insgesamt sind alle Branchen in der Praxis der öffentlichen Wirtschaft von stetigen gesellschaftlichen, technischen und rechtlichen Veränderungen betroffen. Dieser Dynamik wurde insbesondere im dritten Teil Rechnung getragen, indem die neuen Entwicklungen aufgenommen wurden. Inhaltlich konnten wir in der Neuauflage nunmehr auch den Energiesektor abbilden und damit eine von uns als signifikant wahrgenommene Lücke schließen. Darüber hinaus haben uns im Gesundheitssektor jetzt auf Krankenhäuser fokussiert, weil speziell hier die öffentliche Hand stark vertreten ist. Im ersten Teil haben wir den Blick über Deutschland hinaus in den internationalen Bereich erweitert.“

 

Das Handbuch verbindet Perspektiven aus verschiedenen Fachdisziplinen. Welchen Gewinn bietet dieser interdisziplinäre Ansatz für das Verständnis der öffentlichen Wirtschaft?

„Wenngleich eine gewisse juristische Dominanz in der deutschen Literatur zur öffentlichen Wirtschaft zu beobachten ist, ist öffentliches Wirtschaften tatsächlich Gegenstand verschiedener Disziplinen. Die interdisziplinäre Sicht weitet den Blick und zeigt Zusammenhänge auf. Nehmen wir zum Beispiel die sog. Subsidiaritätsklausel, wonach wirtschaftliche Unternehmen der öffentlichen Hand nur errichtet werden dürfen, wenn der öffentliche Zweck nicht ebenso gut und wirtschaftlich durch ein privates Unternehmen erreicht werden kann. Hier bezieht sich das Recht auf den Wirtschaftlichkeitsbegriff, der nur volks- und betriebswirtschaftlich zu fassen ist. Folglich ist hier ist ein Zusammenwirken von Recht und Wirtschaftswissenschaften notwendig. Ähnliches gilt an vielen anderen Stellen, an denen Fragen sinnvollerweise nur interdisziplinär geklärt werden können.

Wer sich näher mit bestimmten Materien befasst, stellt fest, dass verschiedene Disziplinen in gleichen Kontexten regelmäßig unterschiedliche Sprachen sprechen, was leicht zu Missverständnissen führen kann. Das Beherrschen unterschiedlicher Sprachen (und natürlich auch unterschiedlicher Denkweisen) vermeidet diese Missverständnisse und öffnet den Weg zu einer konstruktiven Diskussion.“

 

An wen richtet sich das Handbuch besonders und welches Merkmal des Buchs würden Sie den Leserinnen und Lesern ans Herz legen?

„Das Handbuch richtet sich an Lehrende und Studierende im Bereich der öffentlichen Wirtschaft. Darüber hinaus adressiert es in diesem Bereich tätige Praktikerinnen und Praktiker. Schließlich kann es eine Hilfestellung für alle an der öffentlichen Wirtschaft oder an Teilaspekten der öffentlichen Wirtschaft interessierten Personen sein. Wie Anfangs erwähnt, bezieht es seine Alleinstellungsmerkmale aus der Interdisziplinarität und der auch sektorspezifischen Darstellung. Dies macht das Buch für Personen aus unterschiedlichen Disziplinen zugänglich und auch für Personen interessant, die sich speziell für bestimmte Sektoren interessieren. Wer „über den Tellerrand hinausblicken möchte“, ist hier genau richtig.“

Die Herausgeber

Prof. Dr. Holger Mühlenkamp ist Professor für öffentliche Betriebswirtschaftslehre an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

Prof. Dr. Ulf Papenfuß ist Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der Zeppelin Universität Friedrichshafen.

Prof. (em.) Dr. Frank Schulz-Nieswandt ist Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung am Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln.

Prof. Dr. Ludwig Theuvsen ist Staatssekretär a. D. und ehem. Leiter des Arbeitsbereichs „Betriebswirtschaftslehre des Agribusiness“ der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen.

Mit Beiträgen von

Till Ackermann | Gerold Ambrosius | Pascal Bartz | Daniel Brand | Marcus Gersinske | Dorothea Greiling | André Grüttner | Javier Manuel Heller | Heike Höhnscheid | Robert Holländer | Steffen Kerth | Ulrich Kirchhoff | Franziska Klapperich | Andreas Knorr | Markus Krajewski | Kathrin Kraus | Thomas Lenk | Andreas Lueg-Arndt | Philipp M. Mähner | Holger Mühlenkamp | Ulf Papenfuß | Oliver Rottmann | Christina Schaefer | Martin Schäfer | Ulrich Scheele | Frank Schulz-Nieswandt | Nicolas Sonder | Holger Thärichen | Christian Theobald | Ludwig Theuvsen | Dieter K. Tscheulin | Fritjof Waechter | Mia Wolfsdörfer | Julia Woppmann | Sotiris Zakynthinos | Meinhard Zistel

Wer sich näher mit bestimmten Materien befasst, stellt fest, dass verschiedene Disziplinen in gleichen Kontexten regelmäßig unterschiedliche Sprachen sprechen, was leicht zu Missverständnissen führen kann. Das Beherrschen unterschiedlicher Sprachen (und natürlich auch unterschiedlicher Denkweisen) vermeidet diese Missverständnisse und öffnet den Weg zu einer konstruktiven Diskussion.

Die Herausgeber