Was Sie noch nicht über Gender Studies wussten

17.02.2026

Interview mit den Autorinnen von „Gender Studies“

Auf der rechten Seite liegt das Buch „Gender Studies” auf einem beigen Hintergrund. Auf der linken Seite erhebt sich das Symbol für m/w/d aus dem Hintergrund.

Überraschende Einsichten – Was Sie noch nicht über Gender Studies wussten

Der Einführungsband Gender Studies aus unserer NomosBibliothek Reihe ist erschienen! Die Einführung vermittelt einen Zugang zu Theorien und Fragen der Gender Studies sowie deren Relevanz für soziale Verhältnisse. Dabei werden historische Entwicklungen und politische Debatten aufgezeigt. Einen kurzen Einblick in die Themen, Materialien und Methoden des Werkes erhalten Sie im Interview mit den Autorinnen:

Sie beschäftigen sich in dem Werk mit zentralen Theorien der Gender Studies – welche Rolle nehmen die Gender Studies aus Ihrer Sicht heute innerhalb der Sozial- und Kulturwissenschaften ein? Und wie verorten Sie dabei Ihr Werk?

Helma Lutz: „Das Interesse der Studierenden an den Gender-Studies hat in den vergangenen Jahren zugenommen und hält immer noch an. In vielen Bundesländern steigt das Interesse und so wurden und werden Gender-Studies fest im Studienangebot der Sozial-, Kultur- und Erziehungswissenschaften etabliert. Gleichzeitig stehen sie durch Angriffe rechter Parteien, sowie der Landesregierungen momentan unter Druck. Dazu gehört etwa das Verbot von ‚Gendersprache‘ in Bayern und in der Verwaltung in Hessen und Baden-Württemberg, sowie für Schulen, Hochschulen und Behörden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein. Ähnliche Entwicklungen sind in Österreich und der Schweiz zu verzeichnen. In unserem Buch haben wir diesen Entwicklungen ein ganzes Kapitel gewidmet (Kapitel 10). Wir versuchen damit, den Studierenden zu vermitteln, dass feministische Forschung und Lehre weiterhin unter Druck steht und sich verteidigen muss.“

In der Einführung diskutieren Sie auch Medien- und Videomaterialien. Welche didaktische Funktion haben diese Beispiele, und welchen Mehrwert bieten sie für die Leser:innen?

Helma Lutz: „Unsere umfangreiche Zusammenstellung von vielfältigem Medienmaterial folgt der Tatsache, dass Medien heute – wie nie zuvor – einen erheblichen Einfluss auf Wissenserwerb und Meinungsbildung haben. Gleichzeitig verknüpfen wir den Einsatz visuellen Materials mit der schriftlichen Erörterung des Themas, sowie mit kritischen, weiterführenden Fragen. Damit unterstützen wir nicht nur die Lehrenden, sondern wir versuchen auch, die Studierenden zum Weiterlesen und Weiterforschen anzuregen; so lernen sie, ihren eigenen Beitrag zur Debatte im Seminar zu leisten.“

Der Band verbindet theoretische Grundlagen mit epistemologischen und methodologischen Fragestellungen. Warum haben Sie sich für diesen ganzheitlichen Zugang zu den Gender Studies entschieden?

Julia Schuster: „Wissensproduktion passiert nicht im luftleeren Raum, sondern ist immer durch den Kontext geprägt, in dem sie stattfindet. Das trifft auf Gender Studies zu genauso wie auf jede andere wissenschaftliche Disziplin. Feministische Epistemologie und Methodologie reflektieren diesen Kontext und machen ihn transparent, was wesentlich dazu beiträgt, dass das so produzierte Wissen besser eingeordnet werden kann. Ironischerweise wird der Geschlechterforschung allerdings von außen oft unterstellt, sie sei besonders subjektiv und ideologisch gefärbt, was angesichts des historischen Ausschlusses von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen aus den angeblich viel objektiveren Wissenschaften eine gewagte These ist. Um dieses Missverständnis zu beseitigen, erklärt unser Buch in jeweils einem Kapitel, was Feministische Epistemologie und Methodologie genau ist. Dabei lässt sich auch gleich zeigen, wie methodisch vielfältig Gender Studies sein kann.“

Abschließend eine persönlichere Frage: Was hat Ihnen beim Konzipieren und Verfassen des Buches besonders Freude bereitet?

Julia Schuster: „An allererster Stelle die Zusammenarbeit mit Helma! Es ist immer schöner im Team zu arbeiten als alleine, insbesondere, wenn die Zusammenarbeit so gut funktioniert. Darüber hinaus fand ich beim Schreiben den Gedanken hoffnungsvoll, dass jene Studierende, für die die Buchinhalte neu sind, nach der Lektüre vielleicht einen etwas kritischeren Blick auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse haben, als davor. In einer Welt, in der reaktionäre Ideologien wieder in Mode gekommen sind, wäre das zumindest schön.“

Helma Lutz: „Dieses Statement kann ich nur bekräftigen: die Zusammenarbeit mit Julia war großartig!!“

Das Werk richtet sich an Studierende der Sozial- und Kulturwissenschaften sowie alle interdisziplinär Interessierten.

Unsere umfangreiche Zusammenstellung von vielfältigem Medienmaterial folgt der Tatsache, dass Medien heute – wie nie zuvor – einen erheblichen Einfluss auf Wissenserwerb und Meinungsbildung haben. Gleichzeitig verknüpfen wir den Einsatz visuellen Materials mit der schriftlichen Erörterung des Themas, sowie mit kritischen, weiterführenden Fragen. Damit unterstützen wir nicht nur die Lehrenden, sondern wir versuchen auch, die Studierenden zum Weiterlesen und Weiterforschen anzuregen; so lernen sie, ihren eigenen Beitrag zur Debatte im Seminar zu leisten.

Professorin Dr. Helma Lutz