Eine neue Ära beginnt: Start des Frauen-Bundesliga FBL e.V.

18.02.2026

Eine neue Ära beginnt: Start des Frauen-Bundesliga FBL e.V.

Header des Newsbeitrages zum Sportrecht. Zu sehen ist eine Rennbahn auf orangenem Grund. Im Vordergrund ist der Autor Özkan Bal zu sehen.

von Özkan Bal

Der 10. Dezember 2025 dürfte als wegweisender Tag in die Geschichte des professionellen Frauenfußballs in Deutschland eingehen. In Frankfurt am Main, am Standort des Deutschen Fußball Bund e.V. und der DFL Deutsche Fußball Liga e.V., gründeten die vierzehn an der höchsten deutschen Spielklasse im Frauenfußball teilnehmenden Clubs einen eigenständigen Interessenverband, den Frauen-Bundesliga FBL e.V., der die strukturelle, wirtschaftliche und strategische Weiterentwicklung des professionellen Frauenfußballs in Deutschland vorantreiben soll. Der Verband ist Ausdruck eines gewachsenen Selbstverständnisses des professionellen Frauenfußballs und reagiert auf dessen dynamische, sportliche wie ökonomische Entwicklung der letzten Jahre. Katharina Kiel (Direktorin Frauenfußball Eintracht Frankfurt) als Präsidentin sowie Veronica Saß (Direktorin Recht FC Bayern München) und Florian Zeutschler (Geschäftsführer SGS Essen) als Vizepräsidenten wurden von den Mitgliedern auf der Gründungsversammlung gewählt und haben die Aufgabe, die Interessen des Verbands nach Innen und Außen zu vertreten sowie die Verbandsarbeit zu koordinieren.

FBL e.V. als Interessenverband der Clubs der Frauen-Bundesliga

Bereits die Satzungspräambel macht deutlich, dass der FBL e.V. nicht als bloßes Verwaltungsorgan angelegt ist, sondern perspektivisch eine eigenständige Organisations- und Steuerungsfunktion übernehmen will. Ziel ist es, die sportlichen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder gebündelt zu vertreten und den Frauenfußball langfristig strategisch zu stärken – über den reinen Spielbetrieb hinaus.
 
Kern des Verbandszwecks ist die Wahrnehmung dieser Interessen als Solidargemeinschaft der Frauen-Bundesligaclubs. Der FBL e.V. versteht sich dabei als aktiver Entwicklungsträger: Er will an Organisation, Führung und Vermarktung der Frauen-Bundesliga mitwirken und perspektivisch eigene Regelwerke und Gremien etablieren. Ergänzt wird dieser Anspruch durch programmatische Leitlinien wie Nachwuchsförderung, Gleichberechtigung, gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Schlanke Governance für kurze Entscheidungswege

Strukturell setzt der Verband auf eine bewusst schlanke Governance. Organe sind ausschließlich die Mitgliederversammlung und das erwähnte dreiköpfige Präsidium, das aus Personen bestehen muss, die zwingend eine aktive Funktion bei einem Mitglied ausüben müssen, was der Fall ist, wenn es sich um gesetzliche Vertreter, Prokuristen oder besondere Vertreter im Sinne von § 30 BGB handelt. Diese reduzierte Struktur soll kurze Entscheidungswege ermöglichen und dem Verband die notwendige Agilität verleihen, um auf Marktentwicklungen im wachsenden Frauenfußball schnell reagieren zu können.
 
Mitglieder im FBL e.V. können ausschließlich die jeweils 14 Clubs der Frauen-Bundesliga sein, mit Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse im Frauenfußball endet auch die Mitgliedschaft. Die Satzung übernimmt dabei zentrale Prinzipien des deutschen Männer-Profifußballs, insbesondere den 50+1-Grundsatz.

Einbindung in Verbandsstruktur des DFB

Das Verhältnis zum Deutschen Fußball-Bund e.V. ist offen ausgestaltet. Der FBL e.V. positioniert sich als eigenständiger Interessenverband, bleibt aber dialog- und entwicklungsfähig. Der DFB hat unterdessen auf seinem 45. Bundestag zahlreichen Anpassungsanträgen zugestimmt, die die Integration des FBL e.V. in die Verbandsstatuten vorsehen. Dies zeigt sich unter anderem in der vorgesehenen Einbindung des FBL e.V. in die DFB-Strukturen mit Rederecht im Präsidium.
 
Der FBL e.V. markiert dabei im professionellen deutschen Frauenfußball einen historischen Schritt zu mehr Autonomie und strategischer Eigenständigkeit, den der professionelle Männerfußball mit der Gründung des „Die Liga – Fußballverband e. V.“ (heute: DFL Deutsche Fußball Liga e. V.) bereits 25 Jahre zuvor machte. Der Verband ist als hybrider Akteur angelegt – zwischen klassischem Interessenverband und künftigem Ligaträger – und schafft damit die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen für die nächste Entwicklungsstufe der Frauen-Bundesliga.

 

 

Özkan Bal ist Director Legal und Prokurist der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Er berät den Club in allen rechtlichen Fragen des professionellen Fußballs und hat an der Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. mitgewirkt. Ein vertiefender Beitrag des Verfassers erscheint in Kürze in der Zeitschrift SpoPrax.