Ohne Moos, nichts los beim Klimaschutz für Gebäude

08.10.2026

Ohne Moos, nichts los beim Klimaschutz für Gebäude

Zu sehen ist der Header zum Thema Sozialrecht und Sozialwesen mit dem Autor Prof. Dr. Georg Kortendieck

von Prof. Dr. Georg Kortendieck

In diesem Sommer ist nach vielen heißen Tagen der Ruf nach einem besseren Hitzeschutz für vulnerable Personen laut geworden, die in Gebäuden der Sozialwirtschaft leben. Das führt zurück zur Diskussion, wie die ca. 100.000 Gebäude der Sozialwirtschaft klimagerecht saniert und modernisiert werden können. Im Volksmund heißt es: „ohne Moos, nichts los“. Die ökologische Transformation der Sozialwirtschaft stellt eine große Investitionsaufgabe dar.

Was kostet Klimaneutralität?

Um die Klimaziele Deutschlands bis 2045 bzw. 2050 zu erreichen, werden Investitionen von 120 Milliarden Euro für die energetische Sanierung und Modernisierung dieser Gebäude benötigt, um die jährliche Emission von ca. 14 Mrd. Tonnen in diesem Bereich durch Wärmedämmung sowie den Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Technologien zu vermeiden oder zu kompensieren. Dem hohen Investitionsbedarf stehen strukturelle Barrieren gegenüber. Viele Sozialimmobilien sind über 40 Jahre alt und wurden bislang unzureichend energetisch saniert. Ursache ist das bestehende Finanzierungssystem der Sozialgesetzbücher. Nachhaltigkeitsinvestitionen und deren Kosten (Abschreibungen, Planung, Zinsen) gelten häufig nicht als notwendige Bestandteile einer ausreichenden Versorgung und werden von den Kostenträgern vielfach nicht akzeptiert.

Wie kann man Hitze- und Klimaschutz grundsätzlich finanzieren?

Zur Finanzierung der Transformation sind drei grundlegende Vorgehensweisen denkbar: Erstens ermöglichen höhere Leistungsentgelte eine monistische Finanzierung, indem Klimaschutz als gesetzlicher Bestandteil notwendiger Leistungen anerkannt wird – unwahrscheinlich. Zweitens ist eine duale Finanzierung über staatliche Zuschüsse insbesondere durch Bundesmittel denkbar, da Klimaneutralität ein gesamtgesellschaftliches Ziel darstellt. Drittens können Träger Eigenkapital oder Fremdkapital einsetzen. Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende Eigenkapitalausstattung und die Möglichkeit, Investitionen langfristig zu refinanzieren.

Sind Klimainvestitionen wirtschaftlich sinnvoll?

Würde man alle Gebäude im Bereich Gesundheit und Pflege auf den EG 70 Standard modernisieren, berechnet das Ökoinstitut Freiburg Kosten für die Dämmung der Gebäudehüllen mit ca. 56 Mrd. €. Je schlechter der energetische Ursprungszustand der Wand ist, desto schneller amortisiert sich eine Fassadendämmung. Bei Außenwänden, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 errichtet worden sind, ergibt sich eine Amortisationszeit zwischen 4 und 10 Jahren, bei Außenwänden, die zwischen 1977 – 1995 gebaut wurden, 9 und 22 Jahre. Wirtschaftlich sinnvoll ohne staatliche Unterstützung sind Investitionen dann, wenn die Einsparungen bei den Energiekosten dauerhaft höher ausfallen als Abschreibungen sowie Zins- und Kapitalkosten. Damit sich diese Investitionen lohnen, müssen die daraus entstehenden Energieeinsparungen bei den investierenden Einrichtungen verbleiben. Das ist zurzeit nicht der Fall.
Hitzeschutz nach innen und Schutz vor Wärmeverlust nach außen sind ohne Änderungen der Finanzierungsstrukturen kaum erreichbar. Solange Nachhaltigkeitsinvestitionen nicht als notwendiger Bestandteil der Leistungserbringung anerkannt oder deren positive Auswirkungen auf die Energiekosten honoriert werden, bleiben wirtschaftliche Anreize gering und der bestehende Hitze- und Sanierungsstau bestehen.

Prof. Dr. Georg Kortendieck ist Professor für Betriebswirtschaft im Sozialen Bereich und Leiter des Master-Studienganges Sozialmanagement an der Ostfalia Hochschule Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Gebiete sind Strategisches Management, Controlling, Finanzierung und Personalmanagement in der Sozialwirtschaft. Er verfügt als Geschäftsführer mehrerer Bildungseinrichtungen und als Dekan (2027 – 2023) der Fakultät Soziale Arbeit über langjährige Expertise in diesen Bereichen. Prof. Kortendieck ist Schriftleiter im Nomos Newsletter Sozialrecht und Sozialwesen. Sein gemeinsam mit Prof. Andrea Hirschfeldt verfasstes Buch Personalmanagement – Personalentwicklung ist aktuell im Nomos Verlag erschienen.